Dorfchronik - Heimatverein

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Dorfchronik

Unser Dorf

Auszug 3
Aus der Chronik: Die Alte Schule
Bildung, das hat die Oberschicht früh erkannt, sichert die Existenz. Schon Karl der Große hat um 800 n.Chr. die Kirchen aufgefordert, Schulen zu gründen. Der Durchbruch zur allgemeinen Schulbildung gelang um 1600! Da erschienen erste Landes-Schulverordnungen, die den Landesfürsten und die Bürgermeister in die Verantwortung für die Schulentwicklung nahmen.
Aber erst 120 Jahre später wurde die allgemeine Schulpflicht eingeführt.

Auch die Vehlefanzer haben die Zeichen der Zeit früh erkannt. Bildung für den Frieden ? Vielleicht. Noch während des 30jährigen Krieges (Regent war der Große Kurfürst) wurde in Vehlefanz eine Schule eingerichtet – neben dem Pfarrhaus. Das Schulhaus stand dort, wo heute die sogenannte „Alte Schule“ steht. Das 1909 in nur 5 Monaten errichtete Gebäude war zwischen 2012 und 2016 umgebaut worden und beherbergt jetzt eine Arztpraxis, eine Tagespflege und  3 große, altersgerecht ausgestattete Wohnungen. Dahinter im Park entstand ein Anbau mit weiteren seniorengerecht geschnittenen Wohnungen.

In einem Kirchenbericht von 1715 wird vermerkt, dass 1640 der Küster und ein „besonderer Schulmeister“ in der Schule unterrichtet haben. Das erste Schulhaus, eine einstöckige Kate mit hohem Giebel, sei oft umgebaut worden, bevor es 1909 abgerissen wurde, um der jetzigen „Alten Schule“ Platz zu machen. Sie kostete den Kaiser 36.500,00 Reichsmark und diente allen Regierungen des 20. Jahrhunderts bis 1993 als Bildungsschmiede. Dann konnte die „Alte Schule“ den Ansprüchen der neuen Zeit nicht mehr gerecht werden.

Mit vielen Bildern und Anekdoten erinnert der Vehlefanzer Chronist Helmut Schönberg gern an seine eigene Schulzeit von 1937 - 1945 in dem markanten Gebäude. Er erzählt:
Hauptlehrer Otto Schulz, den alle „Vati“ nannten, stellte eine Schulordnung auf. Sie besagt, dass die Mädchen nach dem Unterricht die Tafel säubern, während die Jungs die Utensilien für die nächste Stunde aus dem Lehrerzimmer holen müssen; Kartenständer,Landkarten, Musikinstrumente und Notenblätter oder anderes Anschauungsmaterial. Dabei nahmen die Bengel die Gelegenheit wahr, um sich in den „Doktorbüchern“ der Lehrerbibliothek über die Natur des weiblichen Geschlechts zu informieren.
Unter Anleitung der Lehrer bearbeiteten die Schüler auch einen Schulgarten. Darin wuchsen Ha-selsträucher. Die sehr geraden Stöcke dienten den Lehrern als Zuchtmittel für die aufmüpfigen Schüler. Die sorgten bei der Gartenarbeit dafür, dass möglichst wenig Stöcke bis zur Nutzungsreife gelangten.
Für die Kachelöfen in den Schulräumen wurden Briketts auf den Schulhof angeliefert. Die Jungs mussten sie mit Kiepen in den Keller schaffen. Dort standen die Einmachgläser der Lehrergattin. Kirschkompott und Pfirsiche verlockten zum Naschen. Einige Gläser wurden geleert als gerechter Arbeitslohn. Und keiner hat’s gemerkt. Wirklich?

Ende des Krieges waren Geld und Lebensmittel knapp. Das Dach der Schule war marode. Ziegel gab es in Velten, aber nur gegen Kartoffeln. Die ließ Bürgermeister Wolff bei den Bauern be-schlagnahmen und erklärt, dass das im Namen der Provinzalregierung geschehe. Viele Flüchtlinge mussten nach dem Krieg untergebracht werden. Die Schule wurde Kinderheim. Schulunterricht fand nur noch provisorisch im Parteiversammlungsraum statt. 1946 beginnt wieder ein normaler Schulunterricht. Schulleiterin ist jetzt Fräulein von Einem. Vati Schulz wurde fristlos entlassen. 1954 wird eine Baracke auf dem Schulhof aufgestellt. Die Schule wird Zentralschule für alle 400 Kinder von Neu-Vehlefanz, Wolfslake, Klein-Ziethen, Schwante, Vehlefanz, Bärenklau und Eichstädt. Sie lernen im Schichtunterricht. Die Sanitären Anlagen waren unzureichend. Eine neue Schule wurde angestrebt. Die „Wende“ 1989 verhinderte den Bau einer DDR-Einheitsschule. 1991 wurde die Vision der Nashorn-Grundschule geplant und 1993 als erste neue Schule in Brandenburg in Betrieb genommen. Nach fast 20 Jahren Dornröschenschlaf wurde die „Alte Schule“ im Mai 2016 ihrer neuen Bestimmung übergeben.

________________________________________________________________________________________________________________________

Dies ist ein Auszug aus der reich bebilderten Vehlefanzer Chronik (ca. A4-Format, kartongebunden). Für 19.50 Euro zu erwerben bei:
Edda Schönberg, Tel: 03304-34677, in der Poststelle Vehlefanz bei Jannetts Liedke, und demnächst im Tourismusbüro an der Mühle oder per e-mail beim Heimatverein anfordern.

 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü